Am Tag der US-Zwischenwahlen beleuchtet der Oldenburger Amerikanist Martin Butler im Schlauen Haus die Geschichte rassistischer Diskriminierung in den Vereinigten Staaten.
Oldenburg. Freiheit, Gleichheit und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten: Seit ihrer Gründung sind die Vereinigten Staaten mit einem Versprechen verbunden, das Menschen aus aller Welt angezogen hat. Doch diesem Ideal steht eine Geschichte gegenüber, die auch von Sklaverei, Ausbeutung und rassistischer Diskriminierung geprägt ist. Wie tief diese Widersprüche in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelt sind und bis heute nachwirken, beleuchtet ein Vortrag am Dienstag, 3. November, um 19 Uhr im Schlauen Haus Oldenburg.
Unter dem Titel „Geschichte(n) der Diskriminierung: Die ‚Color Line‘ in den USA von den ‚Gründervätern‘ bis zum SuperBowl“ untersucht der Oldenburger Amerikanist Prof. Dr. Martin Butler vom Institute for English and American Studies der Universität Oldenburg die Geschichte rassistischer Ausgrenzung aus kulturhistorischer Perspektive.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte „Color Line“, ein Begriff, der die gesellschaftliche Trennlinie entlang rassistischer Zuschreibungen beschreibt. Butler geht der Frage nach, wie diese Trennlinie die Geschichte der Vereinigten Staaten geprägt hat und welche Bedeutung sie bis heute für das gesellschaftliche und kulturelle Selbstverständnis des Landes besitzt. Anhand ausgewählter Beispiele aus der Geschichte und Erfahrungswelt der afroamerikanischen Bevölkerung zeichnet der Amerikanist zentrale Entwicklungen und Kontinuitäten rassistischer Diskriminierung nach. Der Vortrag bietet dabei bewusst einen exemplarischen Einblick in die Thematik.
Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf den Widerspruch zwischen dem amerikanischen Freiheitsversprechen und der historischen Realität. Die USA verstehen sich als „Nation of Immigrants“, als Einwanderungsnation, die Menschen unterschiedlicher Herkunft die Möglichkeit zur individuellen Selbstverwirklichung eröffnet. Die Erfahrungen der afroamerikanischen Bevölkerung zeigen jedoch besonders deutlich, wie sehr dieses Versprechen über Jahrhunderte im Widerspruch zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen, rassistischer Ausgrenzung und gewaltsamer Unterdrückung stand.
Der Bogen von den Gründervätern bis zum Super Bowl verdeutlicht, dass sich die Auseinandersetzung mit rassistischer Diskriminierung nicht auf die Vergangenheit beschränkt. Auch die amerikanische Gegenwartskultur bietet Anlass, nach der Wirkmacht historisch gewachsener gesellschaftlicher Trennlinien zu fragen.
Der Zeitpunkt des Vortrags verleiht dem Thema eine besondere Aktualität. Während die Menschen in den USA am 3. November bei den Midterms über die politische Zusammensetzung des Kongresses abstimmen, eröffnet die Veranstaltung einen historischen Blick auf gesellschaftliche Konflikte und Widersprüche, die das Land bis heute prägen.
Im 250. Jahr der amerikanischen Unabhängigkeit lädt der Vortrag dazu ein, das Verhältnis zwischen nationalem Selbstverständnis, gesellschaftlicher Wirklichkeit und historischer Verantwortung kritisch zu hinterfragen. Besucherinnen und Besucher erhalten damit die Gelegenheit, aktuelle Debatten über die amerikanische Gesellschaft vor dem Hintergrund ihrer Geschichte besser einzuordnen.
Termin: Dienstag, 3. November 2026, 19.00 Uhr
Ort: Schlaues Haus Oldenburg
Kontakt Schlaues Haus:
Lennart Book
Schlaues Haus Oldenburg
E-Mail: lennart.book@schlaues-haus.de
Tel: 0441 99873398 - 11
Anmeldungen sind über die Website des Schlauen Hauses (www.schlaues-haus.de) oder per E-Mail (anmeldung@schlaues-haus.de) möglich.