Pro Jahr erfüllt mehr als jeder vierte Erwachsene in Deutschland die Kriterien einer psychischen Erkrankung. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen Angststörungen, Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen. Für die Betroffenen wie auch ihre Angehörigen sind diese Erkrankungen mit einem erheblichen Leidensdruck und massiven Einschränkungen im sozialen wie beruflichen Leben verbunden. Und doch sind seelische Erkrankungen noch häufig schambesetzt, über sie wird noch immer weniger offen gesprochen als z.B. über Herz Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs. Die Karl-Jaspers-Klinik informiert mit ihrer neuen Veranstaltungsreihe „Gespräche zur seelischen Gesundheit“ verständlich und praxisnah über Themen rund um die Psyche und ihre Erkrankungen.
Die stille Last – Einsamkeit erkennen und überwinden
Prof. Dr. Dr. René Hurlemann
Ärztlicher Direktor und Klinikdirektor, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Einsamkeit ist ein unterschätztes gesellschaftliches Phänomen mit weitreichenden Folgen für psychische und körperliche Gesundheit. Der Vortrag beleuchtet Einsamkeit als subjektives Erleben und zeigt, warum nicht die Anzahl, sondern die Qualität sozialer Beziehungen entscheidend ist. Anhand aktueller epidemiologischer Daten werden Verbreitung, Risikogruppen und kritische Lebensphasen dargestellt – ebenso wie die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Darüber hinaus wird erklärt, weshalb der Mensch neurobiologisch besonders empfindlich auf soziale Isolation reagiert und wie Einsamkeit Gesundheit und Lebenserwartung beeinflusst. Abschließend werden wirksame Präventions- und Interventionsansätze aus Medizin, Psychotherapie, Gesellschaft und Politik vorgestellt. Der Vortrag macht deutlich: Einsamkeit ist kein individuelles Versagen, sondern eine gemeinsame gesellschaftliche Herausforderung.
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